z'Alp - Ein Alpsommer im Zeitraffer
Teil 3/4: Licht und Schatten
Darum geht's
Im diesem Artikel blicken wir auf unsere schönsten Alp-Momente zurück – selbst wenn nicht alle Tage Sonnenschein ist.
Licht ...
Einige unserer Lieblingsfotos…
Portraits








Gruppenfotos









Landschaft
Alon & Belle
Kuschelzeit
Wir leben (und lieben) die Nähe zu unseren Tieren. In der einen oder anderen Form sind wir fast 365 Tage für sie im Einsatz. Sei es im Winter beim Füttern, im Sommer bei der Heuernte oder bei der Herstellung unserer Produkte. So wollen wir denn auch genügend Qualitätszeit mit ihnen verbringen.
Momente, wie du sie auf den Bildern siehst, haben nassgeblich dazu beigetragen, dass wir unsere Schafzucht eingestellt und den LichtenHof zum Lebenshof umstrukturiert haben. Mehr darüber erfährst du in unserem Artikel „Wie der LichtenHof zum Lebenshof wurde“.
Schwimmende Schafe
Wusstest du, dass Schafe freiwillig schwimmen gehen? Wir auch nicht… bis wir es erlebten. Zunächst sprang ein erwachsenes Schaf kurzerhand ins Wasser, um zu einem Teil der Herde auf der anderen Seite des Sees zu gelangen. Angelockt von Mamas Ruf auf der anderen Seite, machte es ihm ein kleines Lamm kurzerhand nach.
Du kannst uns aber dennoch glauben: so schnell hatten wir noch nie unsere Schuhe und Jacken ausgezogen. Jederzeit bereit, uns ins kalte Wasser zu stürzen, falls des nötig sein sollte…
Lamm-Rettung
Es ist Mittwoch, 14. September 2022, 8:20. Wir warten an der Talstation der Gemmibahn in Leukerbad auf die erste Gondel. Wir freuen uns auf die heutige Alpabfahrt mit unseren Schafen. Es ist ein regnerischer, wolkenverhangener Tag. Da erreicht uns ein Anruf: „Irgendwo“ zwischen Wyssi Flue und Üeschenental steckt ein „Schaf“ in einer „Felsspalte“ fest. Wanderer hätten es am Tag zuvor entdeckt und dem Wirt einer Berghütte Bescheid gesagt.
Die Erfahrung lehrt uns, Informationen von Passanten immer mit einer gewissen Skepsis zu begegnen. Dennoch, erfüllt von Besorgnis, dass „irgendwo“ unsere Alp, und das „Schaf“ eines unserer Herde sein könnte, machen wir uns so schnell wir nur können auf den Weg. Wir wählen die Route mit der besten Aussicht – dem anfänglichen Nebel zum Trotz. Endlich angekommen suchen wir zunächst unsere Alp ab. Aber wir finden kein Schaf in einer Felsspalte. Unsere Herde befindet sich friedlich aneinander gekuschelt in der Mittagsruhe.
Alwin sucht auf der Seite Üschenental weiter nach dem Tier. Zwei Stunden lang. Jessica wartet derweil bei eisigem Wind und Regen mit den Hunden auf der Wyss Flue, um den fremden Schafen keine Angst zu machen. Und endlich zeigt sich der erhoffte Erfolg: Es ist ein Lamm, tief unten in einer Spalte, eingeklemmt zwischen Felsen und Schnee.
Sofort wird klar, ohne die Retter der Lüfte kriegen wir das Tier da nicht heraus. Nach einigen Telefonaten mit dem Alp-Verantwortlichen und dem Besitzer des Tieres alarmieren wir die Air Zermatt. Diese zeigt grosse Hilfsbereitschaft und zieht die Lammrettung anderen Einsätzen vor – nicht zuletzt, damit wir es noch schaffen, mit unseren eigenen Schafen vor Einbruch der Dunkelheit im Tal zu sein (Marschzeit: ca. 3 Stunden).
Wie durch ein Wunder ist das Lamm unverletzt. Es wird aus der Spalte geflogen und zu seiner Herde gebracht, die sich nur wenige hundert Meter daneben aufhält. Es kann glücklicherweise am anderen Tag mit seiner Herde die Alpabfahrt antreten.

Und wir schaffen es zwar noch vor Einbruch der Dunkelheit in den Färich* in Leukerbad, nicht aber nach Hause. Doch unsere Schafe, voller Vertrauen in uns, traben im Schein unserer Stirnlampen gemütlich die letzten paar Meter zurück in den trockenen, warmen Stall.
Der Rettungseinsatz für das Lamm war nur eine von drei Aktionen, die wir 2022 persönlich durchführten. Leider haben wir Schäfer am Berg oftmals einen schlechten Ruf. Mithilfe solcher Rettungseinsätze für kranke oder verunfallte Tiere sorgten wir daher schon öfter positiv für Aufmerksamkeit. Für uns ist es selbstverständlich, dass wir uns, wann immer möglich, nicht nur um unsere eigenen Schafe kümmern. Die Tierapotheke ist immer im Rucksack mit dabei.
*kleines Gehege
Die Tierapotheke ist immer mit dabei
Schliesslich weiss man nie, ob man unterwegs irgendwo ein Schaf antrifft, das Hilfe braucht.
Es kam schon öfter vor, dass wir unterwegs auf Tiere von anderen Besitzern trafen, die krank oder verletzt waren. Aus diesem Grund gehört zur Ausrüstung der Apotheke auch immer ein Halsband, eine Leine, ein wenig Kraftfutter und eine Packung Blevita-Kracker. Übrigens: Es scheint so, als ob bei Schafen die Variante mit Kürbiskernen besonders beliebt ist.
Bei fremden Schafen braucht es in der Regel sehr viel Zeit und Geduld, bis man sie einfangen kann. Um das Schaf auf dem Foto einzufangen haben wir mehr als eine Stunde gebraucht. Aber am Ende konnte es sogar ein paar Streicheleinheiten zulassen.
Wir haben ein gutes Verhältnis mit unserer Tierärztin. So können wir jeweils den Fall mit ihr besprechen und entscheiden, wie das Tier vorläufig am besten zu behandeln ist. Das Schaf auf dem Foto hatte hohes Fieber, den Symptomen nach zu urteilen eine Lungenentzündung, und wahrscheinlich Lungenwürmer.
Selbstverständlich nehmen wir vor jeder Behandlung Rücksprache mit dem entsprechenden Tierbesitzer oder den Alpverantwortlichen. Damit diese das Tier später für weitere Behandlungen auch gleich erkennen, markieren wir es mit einem farbigen Viehzeichenstift. Das Schaf auf dem Foto erholte sich prima. Anderntags trafen wir sie wieder. Sie hatte ihre Herde und ihre beiden Lämmer wiedergefunden.
Mama '73
Etwa eine Woche vor der Alpauffahrt im Jahr 2022 stellten wir bei Baby Nevio eine Blutarmut fest. Unsere Tierärztin behandelte ihn umgehend, aber es war klar, dass er die zweitägige Alpauffahrt nicht schaffen würde. So entschieden wir, dass er mit Mama ’73 zuhause bleiben darf, bis er gesund ist. Anschliessend wollte wir die beiden mit dem Helikopter auf die Alp bringen.
Nun kam es aber anders als geplant. Nach einigen Tage verstarb Nevio an den Folgen der Blutarmut. So trat Mama ’73 ihren ersten Helikopterflug allein an, in unserer Begleitung natürlich.
Früh morgens starteten wir, Mama ’73 in einem kleinen Tiertransportanhänger, in Richtung Kandersteg. Danach ging es weiter Richtung Ueschenental.
Warten auf den Helikopter
Die Szene, die sich dann abspielte, hätten wir uns in unseren kühnsten Träumen nicht vorstellen können. Jeder, der schon mal in der Nähe eines landenden Helikopters stand, weiss: es ist sehr, sehr laut und sehr, sehr windig.
Doch ’73 war die Ruhe selbst. Jessica ging mit dem Gepäck voraus. Voller Vertrauen lief ’73 an der Leine neben Alwin und dem Flughelfer her. Die Männer hoben sie in die Kabine. Während des Fluges kuschelte sie sich ganz entspannt an Jessica und irgendwie schien es fast, sie würde die ungewohnte Perspektive auf die Welt neugierig betrachten. Und nur wenige Minuten später stiegen wir alle gemütlich aus. Als ’73 ihre Herde sah, drehte sie sich für einen kurzen Moment noch einmal zu uns um und zog davon.







... Schatten
Die Geschichte von Mama ’73 inspirierte den Titel dieses Artikels. Denn sie vereint die beiden Aspekte von Licht und Schatten wie keine andere.
Am Donnerstag, 23. Juni, brachten wir ’73 auf die Alp. Am Dienstag, 28. Juni öffneten wir morgens wie gewohnt und nichts ahnend die Alptracker-App. Und es traf uns wie der metaphorische Blitz aus heiterem Himmel: Dem Tracker zufolge war ’73 verstorben.
Umgehend machten wir uns auf den Weg auf die Alp. Unterwegs versuchten wir uns irgendwie zu beruhigen: Sie hat nur den Tracker verloren. Der Tracker ist kaputt. Der Tracker dies und der Tracker das. Aber im Kern unseres Wesens spürten wir: ’73 ist tot.
Am Abend zuvor hatte es auf der Alp einen heftigen Gewittersturm gegeben – und ’73 wurde von einem der Blitze getroffen.
Mama '73
[2017 - 2022]
Krankheit
Wir sind oft bei den Schafen auf der Alp. So bemerken wir meistens früh genug, dass jemand krank oder verletzt ist und können entsprechend handeln. Doch manchmal schafft man es leider trotzdem nicht, die Tiere zu retten. So geschehen 2022 bei unserer lieben Lilo. Nach der Geburt ihrer Zwillinge Louis und Erika, die beide heute noch auf dem LichtenHof leben, war sie zu Beginn des Alpsommers eigentlich in top Form. Plötzlich entwickelte sie eher unspezifische Krankheitssymptome. Trotz der Behandlung mit diversen Medikamenten schaffte sie es nicht, sich von der Krankheit zu erholen.
Lilo
[2017 - 2022]
Naturgefahren
Leider verliert man auch immer mal wieder Tiere durch Naturereignisse wie Blitze oder Steinschlag. Auf diese Weise von uns gegangen sind neben Mama ’73 auch noch Sophia und Fredy.
Fredy
[März 2022 - August 2023]
Sophia (mit Tina und Lena)
[2017 - 2022]
Ab de Bärge
Im letzten Artikel dieser Serie nehmen wir dich mit zur Alpabfahrt: Die Erde riecht nach Herbst, eine kühle Brise streichelt sanft unser Gesicht, die Schafe laufen hinter uns her. Eins nach dem anderen, wie Perlen auf einer Schnur. Emmas Glocke ertönt sanft bei jedem ihrer Schritte. Ein Zyklus findet sein Ende.
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