z’Alp – Ein Alpsommer im Zeitraffer, Teil 1: Die Vorbereitungen

z'Alp - Ein Alpsommer im Zeitraffer

Teil 1/4: Die Vorbereitungen

Darum geht's

Es ist Frühling. Die Schafe grasen noch genüsslich auf den Heimweiden. Doch schon beginnen die Vorbereitungen für den Alpsommer.

Packen für Mensch und Tier

Es ist Mai. Die Schafe grasen noch genüsslich auf den Weiden. Für uns beginnen aber bereits die Vorbereitungen für den Alpsommer.

Die Jahre 2020 bis 2023 verbrachten die Schafe auf der Alp ‚Wyssi Flue‘ auf der Gemmi.

Die Alp ist sehr abgelegen und nur zu Fuss oder mit dem Helikopter erreichbar. Der Weg für die Schafe führt zu Fuss von Leukerbad aus. Für Zweibeiner empfiehlt sich die Abkürzung mit der Seilbahn von der Gemmi aus. Eine weitere Variante führt über Kandersteg und das Ueschenental. So oder so, die Alp lag definitiv nicht um die Ecke. Im Notfall, und das kam immer mal wieder vor, dauerte es im schnellsten Fall zwischen drei bis fünf Stunden, bis wir vor Ort ankamen.

Alpines Camping

Auf der Alp gab es keine Infrastruktur für die Schäfer. Daher packten wir unsere mobile Behausung, Verpflegung für Mensch und Tier sowie alles mögliche Material in eine stabile Alukiste (Masse: 50 cm x 50 cm x 150 cm) und flogen diese jeweils zu Beginn des Sommers auf die Alp und im Herbst wieder zurück. Beim Hinflug wog unsere Kiste mit Ausrüstung für rund 45 Schafe, zwei Hunde und zwei erwachsene Personen jeweils an die 120 kg.

Gut geplant ist halb gepackt und natürlich lernten wir über die Jahre hinweg immer besser, was wir alles brauchen. Und bereits in unserer ersten Nacht auf der Alp im Jahr 2020 lernten wir unmissverständlich, dass ein herkömmliches Zelt für alpines Camping nicht geeignet ist. Daher investierten wir in ein Zelt der Firma Hilleberg: Das Nammatj 3 GT.

Hilleberg ist ein weltweit führender Hersteller von hochwertigen Zelten. Wie wir rasch feststellen konnten, zu Recht. Mit dem geräumigen Vorzelt bietet das Nammatj 3 GT auch bei schlechtem Wetter genügend Platz, um es sich gemütlich zu machen. Das Zelt ist bereits in der Grundausführung mit einem 10 mm – Gestänge ausgerüstet. Es bietet die Option, einen zweiten Satz 10 mm – Zeltstangen zu ergänzen. Auch das hat sich sehr gelohnt. Und mit der passenden Zeltunterlage ist auch das Vorzelt stets vor Bodennässe geschützt. Dennoch, campieren auf über 2300 m.ü.M. ist kein Zuckerschlecken.

Aber wenn man die Schafe liebt, tut man alles, um so oft wie möglich bei ihnen zu sein. In der Regel verbrachten wir mindestens einem Drittel der Alpsaison bei den Schafen.

  • Essen und Getränke: Kohlenhydrate, die möglichst leicht und dicht verpackt sind (Polenta, Pasta, Reis), ein paar Dosen Früchte und Gemüse, Kekse, Riegel, Nüsse, alles für einen leckeren Schnapskaffee etc.
  • Für ein Mindestmass an Hygiene: Zahnbürsten, Zahnpasta, Desinfektionsmittel, WC-Schaufel und Papier etc.
  • Besonders, wenn wir an einem verregneten Tag tropfnass auf der Alp ankamen, schätzten wir frische, trockene Kleider: Winterjacken, Handschuhe, Mützen, Regenkleider, Pyjama, Ersatzkleider etc.
  • Die Nächte auf der Alp sind lang. Es wird auch im Sommer oft schon früh kalt und windig. Daher verbrachten wir viel gemütliche Zeit im Zelt: Schlafsäcke, Isolationsmatten, Solar- und Taschenlampen, ein Buch zur Unterhaltung etc.
  • Küche: Gaskocher, Kochtopf, Besteck, Teller, Thermoskanne und -becher, Reinigungsutensilien etc.
  • Diverses: Feldstecher, Wanderstöcke, Wasserflaschen, allerlei Werkzeug, Abfallsäcke, Seile, Planen etc.

Packen für die Hunde...

Auch gleich zu Beginn unseres ersten Alpsommers lernten wir, dass unsere Hunde definitiv auch einen Schlafsack brauchen. Und zwar einen richtig guten. Denn während die Schafe mit ihrer immer länger werdenden Wolle gut vor Kälte geschützt sind, sind unsere Hunde viel weniger resistent, da sie normalerweise im Haus übernachten dürfen.

Daher entschieden wir uns, in richtige Hundeschlafsäcke mit passender Isolationsmatte der Firma Ruffwear zu investieren. Fazit der Hunde: Super gemütlich.

Im ersten Jahr kauften wir für Alon einen Hunderucksack (ebenfalls von Ruffwear). Nach einer gewissen Eingewöhnungszeit trug er seinen Rucksack selbstbewusst über die Gemmi. Viele Touristen fragten uns, ob sie ein Foto machen dürfen. Er sah auch wirklich süss aus damit.

  • Halsbänder und Leinen
  • Schlafsäcke mit Isolationsmatte
  • Hunderucksack
  • Pro Hund zwei grosse Mikrofasertücher
  • Futter und Leckerli. Die Hunde haben letztes Jahr ein kleines Taschengeld erhalten. Davon haben wir für sie Leckerli für den ganzen Sommer eingekauft.

Packen für die Schafe...

Gesundes und Leckeres

Wir setzen unsere Einnahmen aus den Patenschaften gerne deutlich sichtbar und konkret ein. Letztes Jahr hat Patrick (Foto) mithilfe seines Paten 20 kg Mineralsalz für die Alp gesponsert. Das reicht normalerweise für die ganze Saison.

Die Zusammensetzung der meisten im Handel erhältlichen Mineralsalzsteine ist spezifisch für die jeweilige Tierart. Für andere Tierarten können sie gar tödlich sein.  Daher versteckten wir die Mineralsalzsteine jeweils in Plastiksäcke eingewickelt unter grossen Steinen, wenn wir nicht da waren, damit nicht Gämsen oder Steinböcke sich bedienen können.

Auch an Krankheiten und Unfälle muss gedacht sein. Die Tierapotheke ist den ganzen Sommer über in einem unserer Rucksäcke mit dabei.

Ganz wichtig ist auch, dass wir bei Fragen und Unsicherheiten telefonisch mit unserer Tierärztin Kontakt aufnehmen können. Denn eine so abgelegene Alp wie die Wyss Flue bringt ihre ganz eigenen Herausforderungen mit sich.

Alptracker

Hannibal mit dem Alptracker-Sender

Damit wir die Schafe von zu Hause aus überwachen können, tragen mehrere unserer Schafe einen Tracker der Firma Alptracker AG.  Diese übermittelt ca. alle 10 Minuten Standort und Aktivität der Tiere.  So können wir laufend überprüfen, ob sich die Herde am für sie vorgesehenen Standort befindet und ruhig ist. Anhand der Aktivität kann man sehen, ob ein Tier frisst oder schläft. Aber auch für Extremfälle ist gesorgt, denn man könnte auch sehen, wenn die Schafe in Panik geraten oder aus irgendeinem Grund gestorben sind. Auf dem Foto ist Hannibal mit seinem Tracker zu sehen.

Zwischenfälle mit Hunden

Auf den Alpen gibt es leider fast jedes Jahr Unfälle mit Hunden. Es ist verständlich, dass Wanderer ihre Hunde gerne mit auf ihre Ausflüge nehmen. Aber allein letztes Jahr wurden auf der Gemmi zwei Schafe von Hunden getötet. Wir haben auf unserem Teil der Alp von Anfang an Plakate mit dem Hinweis Hunde an der Leine führen aufgestellt. Allerdings mussten wir bedauerlicherweise feststellen, dass sich praktisch niemand daran hält.

  • Für den Transport mit dem Anhänger benötigen die Schafe ein Begleitdokument und eine vollständige Tierliste.
  • Wollschere und Klauenschere für freie Sicht und Trittsicherheit.
  • Die Tierapotheke ist immer in einem unserer Rucksäcke mit dabei. Sie beinhaltet ein Halsbad und eine Leine (diese benötigen wir vor allem, wenn wir an ein krankes oder letztes Tier geraten, das nicht uns gehört), diverses Verbandszeug, allerlei homöopathische Mittel, desinfizierende und jodhaltige Salben und Sprays, diverse Medikamente gegen Augenentzündungen, Durchfall, Erkältungen etc. Für allfällige Notfälle haben wir auch Entwurmungsmittel,  Antibiotika und Schwefelblüten dabei, diese haben desinfizierende Wirkung und können nötigenfalls zur Behandlung von Lippengrind eingesetzt werden. Auch diverses Zubehör wir Verbandschere, Fieberthermometer, Spritzen und Kanülen etc.
  • Mineralsalz und als Leckerli immer wieder ein paar Brocken getrocknetes Brot.
  • Ersatzbatterien und Reparaturwerkzeug für die Tracker.

Pflegetag für die Schafe

Ein paar Tage vor der Alpauffahrt gibt es jeweils einen Pflegetag mit Klauenschnitt und Schur der Kopfwolle. Das ist besonders bei den Schwarznasen Schafen wichtig. Denn ihre Kopfwolle ist seit der letzten Schur im Februar / März bereits wieder toll nachgewachsen. Am Berg ist aber freie Sicht überlebenswichtig. Und Trittsicherheit ist im steinigen Gelände unumgänglich.

Mama ’04 lässt Klauenpflege und Schur der Kopfwolle geduldig über sich ergehen.

Auch die Kleinsten sind bereit.

Es kann losgehen!

Alles ist gepackt, die Schafe sind bereit, es kann losgehen! Im nächsten Artikel dieser Serie nehmen wir dich mit auf unsere zweitägige Alpauffahrt.

Weitere Artikel aus dieser Reihe

Wir verlinken die weiteren Artikel dieser Reihe, sobald sie erschienen sind.

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